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Brauchtum

Brauchtum und Sitte

 

 

 

Sitten und Bräuche im Jahreslauf

 

Sitten und Bräuche bilden in Halvelagen wie in allen sächsischen Dörfern Siebenbürgens das ungeschriebene Gesetz der Familie, der Sippe, der Gemeinschaft, des ganzen Dorfes. Das ganze Gemeinschaftsleben der Sächsischen Bauern stand im Zeichen der Religiosität. Die Kirche wirkte sich bestimmend und führen auf das ganze Tun und Lassen der Dorfbewohner aus. So finden wir im Laufe eines Jahres kirchliches und weltliches Brauchtum eng miteinander verbunden, und wir wollen es deshalb in chronologischer Reihenfolge betrachten. Unsere Betrachtung bezieht sich hauptsächlich auf die Zeit nach dem 1. Weltkrieg.

Adventszeit

 

Mit der Adventszeit begann das neue Kirchenjahr. Es war die Zeit in dr man sich auf Weihnachten vorbereitet und in der die Erwachsenen eifrig Bibel und Lesestunden besuchten, Tanzunterhaltung und laute Arbeiten unterließ man.
Am 21. Dezember, in der Thomasnacht (die längste Nacht des Jahres) war es Sitte, daß besonders die Burschen des Dorfes ihren Unfug trieben. Mancher Wagen wurde in seine Bestandteile zerlegt und im Hof verstreut. Die Phantasie der übermütigen Burschen fand in dieser Nacht keine Grenzen, und dies hauptsächlich zum Verdruss der Eltern der Maiden.
Am letzten Sonntagsnachmittag vor Weihnachten fanden sich die größeren Schulkinder mit ihren Müttern in verschiedenen Häusern zum Binden der „Leuchter“- ein Kerzenleuchter als weihnachtliches Symbol –ein.

Weihnachten

 

Die Weihnachtsfeierlichkeiten begannen mit dem Gottesdienst am Heiligen Abend. Die Kirche war meist überfüllt, denn jeder wollte bei diesem Festgottesdienst dabei sein; auch Kleinkinder wurden warm angezogen und mitgenommen. Wie schön erklangen die Weihnachtslieder, welche die Schulkinder vor dem erleuchteten Weihnachtsbaum im Chor der Kirche sangen. Gedichte wurden vorgetragen oder ein Krippenspiel aufgeführt. Nach dem Gottesdienst, erhielt jedes Kind eine Tüte mit Weihnachtsplätzchen, Nüsse und einer Orange.
Zu Hause wurde an diesem Abend im Kreise der Familie gefeiert. 24 Uhr läuteten die Glocken und die Adjuvanten (Dorfkapelle) bliesen das Weihnachtslied „Puer natus“ .
Die Jugend vor allem die Burschen , feierte im Haus eines Freundes Christnacht.

Neujahr

 

In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr wurden ebenfalls keine lärmverursachenden Arbeiten verrichtet.
Der 31. Dezember des letzte Tag im Kalenderjahr, hatte eine ganz besonders große Bedeutung. Die Frauen waren damit beschäftigt, sogenannte „Giorchen“, zu backen – eine Art von Baumstritzel, den die Kinder bei ihrem Patenbittgang am darauffolgenden Tag geschenkt bekamen.
Am letzten Tag im Jahr läuteten die Glocken zu Mittag eine ganze Stunde lang. In den letzten Jahrzehnten war es auch in Halvelagen üblich, Sylvester zu feiern. Um Mitternacht erklangen die Glocken vom Kirchturm und kündeten das neue Jahr an. Dann trat man in Freie und stieß mit einem Glas Wein auf ein glückliches neues Jahr an.
Der Neujahrestag begann mit dem Frühgottesdienst um 6 Uhr. Bis zum Hauptgottesdienst bemühten sich die größeren Kinder, ihren Patenbittgang zu erledigen. Sie gingen zu ihren Taufpaten und Großeltern, wünschten ein gutes Neujahr und sagten ihren Neujahreswunsch auf.

Auszug aus dem Heimatbuch

 

An dieses Jahres ersten Morgen
begrüß‘ ich Euch mit froher Lust
zwar wechseln Hoffnungen und Sorgen 
an diesem Tag in mancher Brust.

Dem lieben Gott lasst uns vertrauen,
der unser Schicksal weislich lenkt,
auf dessen Treue lasst uns bauen,
der uns gerne Gutes schenkt.

 

Wir fragen uns: Was wird es bringen
das Jahr in seinem dunklen Schoß?
Was trägt die Zeit auf ihren Schwingen?
Wie fällt in Zukunft unser Los?

 

Er wird uns väterlich bewahren
Vor Unglück, jammer, Not und Pein
Und auch in Leiden und Gefahren
Ein Helfer und ein Retter sein.

 

Wird Unglück, Krankheit uns verschonen?  
Erreicht uns etwa gar der Tod?
Wird Friede in dem Lande wohnen?
Kommt Krieg mit aller seiner Not?

 

So mög‘ denn Euch, ihr meine Lieben
Dies Jahr der Himmel gnädig sein,
nichts Eurem stillen Frieden trüben,
Gott segne Euch tagaus, tagein.

 

So kreuzen heute sich die Fragen,
so treten wir ins Neue Jahr.
Was kommen wird in seinen Tagen,
ist keinem Menschen offenbar.

 

Dies ist mein Wunsch in dieser Stunde,
ein Zeichen meiner Dankbarkeit.
Er sei aus reinem Herzensgrunde
Von mir zum Neuen Jahr geweiht.